06. Januar 2018

Erneut schwere Übergriffe auf Justizvollzugsbedienstete

Während in der Öffentlichkeit die Übergriffe auf Polizei und Rettungskräfte in der Silvesternacht thematisiert werden, sind die Übergriffe auf unsere Justizvollzugsbediensteten ein täglicher trauriger Bestandteil des Dienstes innerhalb des Justizvollzuges. Faustschläge ins Gesicht und andere Körperteile, Kopfstöße, Tritte gegen den Körper und Schläge mit oder ohne Gegenstände sowie das Bewerfen und Schütten von Substanzen oder Flüssigkeiten stehen an der Tagesordnung. Erschreckender Höhepunkt der letzten Tage war der Angriff auf zwei Bedienstete der JVA Iserlohn, die mit heißem Wasser übergossen wurden und schwere Verbrühungen erlitten.

Bereits in den Tagen zuvor gab es schwere Übergriffe in den Justizvollzugsanstalten anderer Bundesländer, bei denen Kollegen verletzt wurden und somit momentan arbeitsunfähig erkrankt sind. Die Kolleginnen und Kollegen im Justizvollzug haben mittlerweile eine sehr hohe Toleranzschwelle und Leidensfähigkeit entwickelt. Obszöne Gesten und Beleidigungen besonders von ausländischen Inhaftierten, in deren Muttersprache formuliert, werden häufig schon ignoriert. Trotzdem ist Gewalt gegen Bedienstete nicht tolerierbar und darf auch hinter Gefängnismauern keinen Platz haben.

Die Gesellschaft diskutiert über Gewalttaten verbaler und körperlicher Art gegen Rettungskräfte und scheint zu ignorieren, dass eben diese Gewalttäter nach schweren Übergriffen das inhaftierte Klientel in einer Vollzugsanstalt darstellen und es unsere Aufgabe ist, diese sicher unterzubringen und zu resozialisieren.

“Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ (Bertolt Brecht, Dreigroschenoper)

Was also temporär, nur zu Feiertagen und größeren Anlässen, als Gewalt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist im deutschen Strafvollzug fast schon ein Dauerzustand.

Der BSBD wünscht den beiden aus der JVA Iserlohn verletzten Kollegen und den weiteren Kolleginnen und Kollegen, die Opfer von Gewalt im Dienst wurden, eine schnelle und vollumfängliche Genesung, verbunden mit der Hoffnung das Spätfolgen ausbleiben und sagen ihnen unsererseits jede notwendige und gewünschte Unterstützung zu.

Presselink


Rene Müller
Bundesvorsitzender BSBD